Scrabble-Steine liegen auf einem Tisch und bilden das Wort "Marketing"

Kleinvieh macht auch Text – oder: unsere sprachlichen Richtlinien

Rechtschreibung, Wortwahl, Zeichensetzung, Stil, Gendern … für all das gibt es im Deutschen nicht immer eine eindeutige Regelung. Statt „wie ist es korrekt“ stellt sich oft die Frage „wie hättet ihr es denn gern“. Falls ihr das in eurem Unternehmen noch nicht selbst festgelegt habt, folgen wir unserem „internen Styleguide“. Und der sieht so aus:

(Achtung: Es wird so was von pingelig, erbsenzählerisch und korinthenkackerisch!)

Regel 1: Ein Hoch auf die Duden-Empfehlungen

Ja, wir haben tatsächlich den Duden gelobt. Besonders, seitdem sich der scheinbar ewige Sandsturm namens Rechtschreibreform(en) gelegt hat und die Sicht klarer ist, schaut man wieder gern hinein. Dass er kostenlos im Internet zugänglich ist, stört übrigens auch nicht.

Gibt es mehrere mögliche Schreibweisen eines Worts, halten wir uns grundsätzlich an die vom Duden empfohlene Form. So schreiben wir „mithilfe“ statt „mit Hilfe“ und „sodass“ statt „so dass“. Nur auf die Rücknahme des scheußlichen „zurzeit“ warten wir noch. Bis es so weit ist, schreiben wir eben „derzeit“.

Regel 2: Nicht alles, was darf, sollte auch

Es herrscht leider zu oft der Glaube, man bräuchte heute im Grunde gar keine Kommas mehr zu setzen. Richtig ist, dass das Komma vor einem erweiterten Infinitiv mit „zu“ und das Komma vor Hauptsätzen, die mit „und“/„oder“ eingeleitet werden, fakultativ sind. Aber jede Leserin hat eine Atempause verdient, und so setzen wir sie stur weiter.

(Die Sache mit den Atempausen ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Selbst in überregionalen Qualitätswochenzeitungen liest man schon mal Sätze, deren Autor:innen beim Sprechen offenbar sehr merkwürdige Pausen einlegen: „Dank ihrer passenden Scrabblesteine, konnte Anja ihren Vorsprung weiter ausbauen.“ Atemlos sollte hier nur Anja vor Freude sein. Falls sie nicht schummelt – dann sollte sie sich schämen.)

Regel 3: Es darf schön aussehen

Unsere Texte sollen nicht nur inhaltlich korrekt sein und gut klingen, sie dürfen durchaus auch schön aussehen. Nicht schön ist es beispielsweise, wenn am Ende einer Zeile eine einsame Zahl oder am Anfang einer Zeile ein einsames „B.“ steht. Abhilfe schaffen ganz einfach geschützte Leerzeichen in „10 Scrabblepunkte“, „z. B.“ oder „Seite 34“, die den Teil vor dem Leerzeichen galant mit auf die nächste Zeile ziehen.

Ganz und gar nicht schön ist auch die weit verbreitete Unart, Komposita zu bilden. Wir sind ja schon froh, wenn passend zum Spieleabend die „Buchstaben Suppe“ wenigstens einen Bindestrich hat. „Buchstaben-Suppe“ sagt zumindest schon einmal aus, dass die Buchstaben und die Suppe etwas miteinander zu tun haben. Aber warum nicht gleich eine schöne „Buchstabensuppe“ daraus machen?

Bindestriche in Komposita sind insbesondere dann nicht schön, wenn der erste Teil mit einem Genitiv-s aufhört. Wer möchte schon seine „Gesellschafts-Spiele“ aus dem Schrank holen?

Wo wir uns verstärkt Bindestriche wünschen, sind Zusammensetzungen mit Produkt- und Firmennamen: Eine „Die Wörter mit den meisten Punkten Scrabble Schummel App“ müsste eigentlich „Die-Wörter-mit-den-meisten-Punkten-Scrabble-Schummel-App“ heißen. Stichwort Durchkopplung. Ein Bindestrich nach „Schummel“ reicht nicht.

Hier kommen uns leider allzu oft eure Zeichensetzungsvorlieben in die Quere. Besonders an euren Firmennamen möchtet ihr oft keinen Bindestrich sehen. Der Duden gesteht Eigennamen tatsächlich eine Ausnahme zu, aber work with us: Es gibt einen noch schöneren Ausweg, der nur ein klein wenig mehr Nachdenken erfordert: die Schummel-App „Die Wörter mit den meisten Punkten“ von Scrabble.

Regel 4: Die Leserrolle einnehmen

Jeder kennt sie: Die Autor:innen, die, im Zuge des Verfassens eines Textes, meinen, mit möglichst komplizierten Satzkonstruktionen, die viele Kommata – und eventuell auch Gedankenstriche – umfassen, ihre Kompetenz unter Beweis stellen zu müssen. Ganz nach dem Motto: Wenn meine Leserin mich nicht versteht, ist sie wohl einfach nicht so schlau wie ich.

Verschachtelte Sätze sind aber oft kontraproduktiv. Bei Handlungsanweisungen können in komplizierten Satzstrukturen wichtige Details untergehen, und Verkaufstexte verfehlen gleich ganz ihren Zweck, wenn sie so anstrengend zu lesen sind, dass man sie lieber gar nicht liest.

Gerade der einfache, verständliche und dennoch fachlich exakte Ausdruck ist die hohe Kunst des Formulierens. Deshalb versuchen wir spätestens im Korrekturdurchgang, uns etwas zurückzunehmen und zu fragen: Kann ich als Leserin sofort erfassen, was hier gesagt wird?

Regel 5: In Deutsch schreiben

Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch es gibt Fallen, in die man allzu leicht tappt.

Legendär ist das allgegenwärtige „es macht Sinn“, das immer mehr das „Sinn ergeben“ oder „sinnvoll sein“ verdrängt. Aber auch „Ich erinnere lange Spieleabende aus meiner Kindheit“ ist eine sogenannte Interferenz aus dem Englischen. (Oder regionales Norddeutsch, aber eben kein Duden-Hochdeutsch.)

Genauso steht es mit „Zum Spieleabend hatten wir Gummibärchen und Kartoffelchips, ich bin nicht länger hungrig“, „Unsere Gäste haben realisiert, dass sie gegen Anja beim Scrabble nicht ankommen“ oder „Am Ende des Tages geht es doch nur um ein solides Sprachgefühl“.

Nein, am Ende des Tages geht es zumindest bei unserem Tagesrhythmus nur noch ums Spielespielen. Am Sprachgefühl wird höchstens beim Lesen auf dem Sofa noch weiter gefeilt.

Regel 6: Hauptsache kein generisches Maskulinum im Singular

Eine der ersten Fragen von Neukund:innen, wenn es an die konkrete Umsetzung von Textprojekten geht:

„Wie machen wir das mit dem Gendern, was empfehlt ihr?“

Diskriminierungsfreie, inklusive Sprache liegt uns sehr am Herzen, deshalb freuen wir uns über das Problembewusstsein und schlagen unsere bewährte Methodik vor:

1. Wahl: neutrale Bezeichnungen (Scrabble-Fachkraft, Kundschaft, Team, Mitglied) oder Bezeichnung ganz vermeiden („Wer fertig ist, zieht einen neuen Stein“)

2. Wahl: Partizipialformen (Spielende, Mitarbeitende)

3. Wahl: Doppelpunkt (Spieler:innen, Kund:innen)

4. Wahl: Doppelnennung (Spielerinnen und Spieler)

5. Wahl: Abwechseln der Formen („Die Spielerin zieht ein neuen Stein. Dann legt der nächste Spieler ein Wort.“)

6. Wahl: Männliche Form im Plural (die Spieler) – bei akutem Platzmangel oder wenn sonst wirklich nichts geht

Was auf gar keinen Fall infrage kommt: Das generische Maskulinum, wenn auch noch mit Personalpronomen darauf Bezug genommen wird: „Der nächste Spieler ist an der Reihe. Er legt ein Wort und zählt dann seine Punkte zusammen.“

Unser größtes Erfolgserlebnis ist, wenn wir einen Text komplett genderneutral geschrieben haben – und niemandem fällt es auf. Für besonders elegante Lösungen belohnen wir uns immer mit dem dreifachen Wortwert.

Du möchtest gern eigene, einheitliche Regelungen für die Texte in deinem Unternehmen festlegen? Dann unterstützen wir dich gern beim Entwickeln eines Styleguides.