Es sind erschreckende Zahlen:
Rund 98 % der wissenschaftlichen Veröffentlichungen über den Klimawandel werden auf Englisch verfasst.
Englisch sprechen aber nur etwa 18 % der Weltbevölkerung.
Die Art wissenschaftliches Englisch, in dem diese Texte verfasst sind, vermutlich noch weniger.
Selbst die Berichte des Weltklimarats (IPCC) liegen meist nur in den 6 offiziellen Sprachen der UN vor.
Wie viele Milliarden Menschen schließt das aus?
Inzwischen erreichen die Auswirkungen der Erderwärmung wirklich jeden Winkel unseres Planeten. Gerade in Regionen, die am stärksten unter den Folgen leiden, wird jedoch kaum darüber kommuniziert.
Das bezieht sich auf klimapolitische Entscheidungen, aber auch auf Warnungen vor Überschwemmungen oder drohenden Dürren. In vielen Ländern werden zahlreiche Sprachen und Dialekte gesprochen, doch lebensrettende Informationen sind nur auf Englisch oder wenigstens in der offiziellen Nationalsprache verfügbar.
Es geht also nicht nur um langfristige, sondern auch ganz akute Gefahren – für bis zu 6,5 Milliarden Menschen.
Sprachgerechtigkeit ist Klimagerechtigkeit
Das aktuelle „Global Climate Language Access Framework“ der Climate Cardinals nennt ein eindrückliches Beispiel: Für ihre Verwandten im Iran, die tatsächlich noch nie etwas vom Klimawandel gehört hatten, übersetzte die Aktivistin Sophia Kianni die wichtigen Klimafakten ins Persische – was diese sofort überzeugte und aktiv werden ließ. Informationen führen zu Veränderungen.
Technologie als Brücke, aber nicht als Allheilmittel
Um solche Lücken zu schließen, setzen Organisationen wie die Climate Cardinals auch KI ein. Durch eine Partnerschaft mit Google konnten beispielsweise innerhalb kurzer Zeit über 800.000 Wörter in 40 Sprachen übersetzt werden.
Doch gleichzeitig warnt der Bericht: Technologie ist keine Wunderwaffe. Besonders in Bereichen wie der Katastrophenvorsorge muss ein Mensch das Ergebnis kontrollieren, um kulturellen Unterschieden Rechnung zu tragen. Ein bloßes Übersetzen von Fachbegriffen – und das auch noch unzuverlässig von KI – reicht nicht aus: Botschaften müssen lokalisiert werden, damit sie in der jeweiligen Kultur richtig aufgenommen werden.
Konkrete Schritte für die Zukunft
Was muss sich also ändern? Der Bericht empfiehlt konkrete Schritte:
- Ein Zugänglichkeitsstandard für Klimasprache (Climate Language Access Standard, CLAS): Sprachliche Barrierefreiheit muss bei allen Projekten, ob öffentlich, national oder regional, mitgedacht werden: Dazu gehören z. B. ein Budget für Übersetzungs- und Dolmetschleistungen und die Auswahl passender Kanäle für Menschen mit geringer Lesekompetenz.
- Ein globaler Fonds für Sprachzugang: Zur Finanzierung von Übersetzungs- und Dolmetschleistungen in lokalen Sprachen von Hochrisikoregionen – z. B. für Frühwarnskripte, Sendeplätze im Radio und Schulungen zweisprachiger Klimapädagog:innen.
- Verpflichtende Frühwarn- und Krisenkommunikation: Alle Gefahrenwarnungen (Hitzewellen, Hochwasser, starke Stürme, Waldbrand) müssen in den lokalen Sprachen über mehrere Kanäle ausgegeben werden. Simulationen und nachträgliche Auswertungen sollen für eine ständige Optimierung sorgen.
- Den Aspekt Sprache in Datenbanken und die Politik integrieren: Bei Volkszählungen und in Katastrophenregistern sollte erfasst werden, welche Sprachen die Menschen unter sich sprechen, damit man diese Sprachen in den nationalen Klimaplänen ergänzen kann.
- Ein offenes Klimalexikon für ressourcenarme Sprachen: Daran können sich IPCC- und UN-Institutionen sowie Lingust:innen und Technologieunternehmen beteiligen, um Glossare u. ä. zu erstellen.
Fazit
Und noch während wir diesen Artikel schreiben, brennen um Bordeaux die Wälder, und deutsche Tourist:innen berichten, dass die Notfallinformationen größtenteils nur auf Französisch bereitgestellt werden.
Denn auch die französische Atlantikküste ist ganz schnell zu einer vom Klimawandel bedrohten Region geworden, in der man sich vor Gefahren schützen muss. In der Zukunft wird die richtige Kommunikation nur noch wichtiger sein, ob mitten in Europa, Afrika oder Asien.
Dieser Artikel basiert auf dem Whitepaper „The Global Climate Language Access Framework“ der Climate Cardinals von Januar 2026.

